Evangelisation durch Glaubenskurse

Samstag, den 07. März 2009 um 08:21 Uhr
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In diesem Artikel stellt Hans-Werner Deppe sehr gute Möglichkeiten der Evangelisation und Jüngerschaft durch Glaubenskurse vor, die unter anderem auch eine bibeltreue Alternative zum bekannten Alpha-Kurs darstellen. Ich möchte diesen Artikel sehr zum Lesen und, nach Möglichkeiten, auch zum Umsetzen empfehlen. Möge uns unser Herr dabei Gnade und Weisheit schenken!


Hans-Werner Deppe, Oerlinghausen

Seit einigen Jahren hält das Evangelisations-Konzept des Glaubenskurses »Alpha« einen Triumphzug quer durch alle christlichen Denominationen. Als systematischer, aber kompakter und nicht zu anspruchsvoller Glaubensgrundkurs scheint er maßgeschneidert für den Menschen von heute zu sein. 2002 wurden weltweit über 24.000 Alpha-Kurse durchgeführt; etwa 6 Millionen Menschen haben diesen Kurs in den vergangenen zehn Jahren absolviert. In Deutschland erlebt der Kurs seit 1996 eine rasante Ausbreitung. Jedes Jahr werden mehr Kurse offiziell in der Alpha-Zentrale registriert, dieses Jahr etwa 680. Anbieter sind z.B. evangelische Landeskirchen, Ortsgruppen der Evangelischen Allianz, Baptisten- und Methodistengemeinden, verschiedene charismatische Gemeinden, FeGs und auch etliche römisch-katholische Pfarreien unter dem Segen ihrer Bischöfe.

Alpha ist Bestandteil der »Koalition für Evangelisation in Deutschland«, die von der Lausanner Bewegung initiiert wurde (in Trägerschaft u.a. der Deutschen Evangelischen Allianz) und gehört damit fest zur »Strategie 2006«, die »eine Abstimmung der großen Projekte wie Willow-Creek-Kongresse, ProChrist, der Alpha-Kurse und der christlichen Aktivitäten um die Fußballweltmeisterschaft 2006 einschließt.« (Hartmut Steeb, zitiert in Alpha-Update April 2003 [abrufbar unter http://www.alphakurs.de/]).

Das Konzept der Evangelisation durch Glaubenskurse in Kleingruppen und Hauskreisen wurde nicht erst mit Alpha erfunden. Doch diejenigen, die Hauskreis-Evangelisation oder Glaubensgrundkurse anbieten möchten, greifen leider oft einfach zum vorgegebenen, professionell durchorganisierten Alpha-Programm. Wir müssen hier »leider« sagen, weil der Alpha-Kurs biblisch betrachtet eher eine Gefahr als ein Segen ist. Abzuraten ist vor allem deshalb von ihm, weil er ein »Evangelium« vermittelt, das um wichtige Elemente verkürzt, humanistisch ausgerichtet und somit »ökumene-kompatibel ist. Zudem führt Alpha gezielt in charismatische Erfahrungen hinein wie eine angebliche Geistestaufe, »Zungenrede« und unkontrollierte Anfälle, wie sie aus dem »Toronto-Segen« bekannt sind (dies wird ausführlich belegt in Die Alpha-Welle von Patrick Tschui, Betanien Verlag 2003).

Doch gibt es nicht nur Schlechtes an Alpha. Es muss unbedingt herausgestellt werden, dass evangelistisches Engagement, das systematisch durchdacht und organisiert ist und mit viel Aufwand und Ausdauer ausgeübt wird, sehr lobens- und nachahmenswert ist. Aber durch die Popularität des Alpha-Kurses werden die besseren, biblischeren Alternativen ignoriert oder vergessen. Alpha bindet die vorhandenen Evangelisationskräfte an sich, die dann höchst wahrscheinlich vergeblich oder gar kontraproduktiv eingesetzt werden. Wie gut wäre es, wenn evangelistisch engagierte Christen stattdessen biblisch empfehlenswertes Material oder einfach die Bibel selbst verwenden. Und es gibt solche weit besseren Alternativen zu Alpha.

Seit fast zweitausend Jahren Kirchengeschichte hat es nicht an Mitteln und Materialien gefehlt, das Evangelium zu verkünden. Alles, was wir brauchen, ist eine Bibel und ein Herz, das für den Herrn brennt. Der Glaube ist aus der Verkündigung (Röm 10,17), und so können wir anderen die gute Botschaft in Vorträgen, persönlichen Gesprächen, Kursen oder in Büchern bringen. Andere, moderne »Verkündigungsmethoden«, die nicht auf das Ohr bzw. das Sprachzentrum abzielen, sind durch die Bibel als untauglich erklärt. Ein Glaubensgrundkurs ist somit prinzipiell besser geeignet als z.B. Filme und Theater etc. 

Sowohl die öffentliche Verkündigung als auch die persönliche Evangelisation haben eine biblische Berechtigung. Für das Letztere braucht jeder einzelne Gläubige neben Mut, einem entsprechend heiligen Leben und viel Zeitressourcen auch das nötige Grundwissen, das er sich durch Bibelstudium oder Seminare über Evangelisation aneignen kann. Obwohl Alpha ein hoch professionell konzipiertes Programm ist, weist es doch gerade hier Lücken auf: Gerade weil es durchorganisiert und vorbereitet ist, brauchen die Mitarbeiter es nur mehr oder weniger passiv und unreflektiert durchführen, ohne viel Denkarbeit einbringen zu müssen. Alpha ist wie ein Fertiggericht, das nur noch aufgewärmt und serviert zu werden braucht. Kein Alpha-Mitarbeiter muss die eigentlichen Lehren des Evangeliums kennen und erklären können.

Ich glaube aber, dass nicht nur Alpha-Befürworter es nötig haben, Buße über ihre Defizite in Sachen Evangelisation zu tun, sondern alle Christen, die weniger Fleiß und Ideenreichtum in die Evangelisation investiert haben. Seid »im Fleiß nicht säumig, inbrünstig im Geist; dem Herrn dienend« (Röm 12,11). »Wer zur Erntezeit schläft, ist ein schandbarer Sohn« (Spr 10,5). Diese Schande trifft leider wohl die meisten von uns. Die erste bessere Alternative, die wir hier anführen möchten, ist also Buße über die bisherigen Prioritäten im Leben. Wir müssen umdenken und Gott lieben von ganzem Herzen, mit all unserer Kraft, unserer ganzen Seele und unserem ganzen Verstand. Wenn wir anfangen, Gott zu suchen, sein Wort zu verinnerlichen, über unsere mangelnde Liebe zu ihm betrübt sind und uns ihm ungeheuchelt hingeben, werden evangelistische Früchte nicht ausbleiben. 

Eine wesentliche Stärke des Alpha-Kurses ist ja das Hauskreis-Modell, das auf die meisten modernen Menschen anziehender wirkt als Veranstaltungen in anonymen Gemeinderäumen. Aber um Leute zu sich nach Hause einzuladen und mit ihnen in der Bibel zu lesen, braucht man kein Alpha-Konzept, sondern eine gesunde geistliche, evangelistische Einstellung, zeitliche Prioritäten und die gebotene Gastfreundschaft. Und in der Regel kommt es noch besser an, für eine gemeinsame Mahlzeit keine Spendenbox aufzustellen wie es das Alpha-Konzept vorsieht, sondern das Essen einfach gastfrei anzubieten. Und entgegen den offiziellen Alpha-Empfehlungen wird Gott nichts dagegen haben, wenn Sie ihm auch vor ungläubigen Gästen offenherzig im Gebet für das Essen danken.

Laden Sie einfach Ihre Nachbarn, Verwandten oder Arbeitskollegen ein, um gemeinsam z.B. ein Evangelium oder den Römerbrief zu lesen oder einen Bibelkurs durchzunehmen. Geeignete Materialien dazu möchte ich unten vorstellen. Es ist auch möglich, das Leiten von Hauskreisen intensiv zu lernen. Bibelschulen sollten dies vermitteln, es kann aber auch durch geeignete Lehrmaterialen erlernt werden. Die vielleicht effektivste und biblischste Lehrmethode ist das Anleiten durch das Vorbild reiferer Christen. So hat der Herr Jesus seine Jünger zugerüstet, und so hat z.B. auch Timotheus von Paulus gelernt (siehe dazu z.B. LeRoy Eims: »Die verlorene Kunst des Jüngermachens«, Betanien Verlag).

Solche Hauskreise sind auch keine Ein-Mann-Veranstaltungen. Dazu gehört ein ganzes Team und letztlich die ganze Ortsgemeinde. Das ist dann ähnlich durchorganisiert wie der Alpha-Kurs nur muss weder Alpha draufstehen noch Alpha drin sein. Diese evangelistische Arbeit sollte möglichst von der Gemeindeleitung geplant und betreut werden. Koordination mit anderen evangelistischen Arbeiten ist sinnvoll, wie z.B. Büchertischeinsätzen in der Fußgängerzone, wo man zu dem Hauskreis einlädt, Verteilen von (ggf. selbstgedruckten) Flyern mit Buch-Gutscheinen und Einladungen etc. Für all das sind Mitarbeiter nötig und verschiedenste Dienstgaben können eingesetzt werden, z.B. das Gestalten gedruckter Einladungen. Weitere wichtige Helfer sind jene, die Fahrdienste leisten, die sich ums Essen kümmern, die ihr Heim zur Verfügung stellen, putzen, die sich um die Gäste persönlich kümmern usw.

Jedenfalls ist Schulung, Vorbereitung und Fleiß gefragt. Jede geistlich gesunde Gemeinde wird auf irgendeine Weise planvoll evangelisieren. Dazu ist es nötig, dass die Gläubigen geschult und angeleitet werden, ihre Gaben einzusetzen. Jede Gemeinde sollte eine kleine Bibelschule sein das Gemeindehaus das Klassenzimmer und die Welt die Werkstatt. Dann werden wir Alpha nicht brauchen und stattdessen wirklich und mit Gottes Kraft aus Gottes Wort den Auftrag zur Evangelisation wahrnehmen.

Im Folgenden möchte ich zwei grundsätzliche Arten von Glaubensgrundkursen und entsprechende Materialen nennen, die sehr hilfreich sind, um ein biblisch vollständiges Evangelium zu vermitteln: Erstens chronologische Bibelkurse und zweitens Glaubensgrundkurse.


1. Chronologische Bibelkurse

Die biblischste und vollmächtigste Methode besteht sicher darin, die Bibel selbst als evangelistischen Kurs zu verwenden, und zwar nach der Reihenfolge der biblischen Offenbarung. Gott hat sich nicht thematisch offenbart, sondern geschichtlich. Die Reihenfolge seiner Offenbarung hat System: In 1. Mose werden die Grundlagen gelegt: Gottes Wesen, seine Schöpfermacht, der Mensch und sein Problem der Sünde, die Verheißung des Erretters usw. Nachfolgend zielt alles auf das erwartete Kommen des Erlösers hin: Er wird als Nachkomme Abrahams verheißen und in vielen Opfern und Symbolen des Volkes Israel vorgeschattet. Immer mehr offenbart Gott sein Wesen im Handeln mit seinem Volk und immer mehr wird die Sündigkeit, das Versagen und die geistliche Notlage der Menschen deutlich.

Aus der Bibel wird deutlich, dass eine Kenntnis der alttestamentlichen Heilsgeschichte den fruchtbarsten Boden für das Evangelium bildet. Die ersten Christen waren allesamt Juden, denen Gott sich im Verlauf vieler Jahrhunderte offenbart und das Alte Testament anvertraut hatte. Bemerkenswerterweise waren auch die meisten ersten Heidenchristen zuvor schon mit der alttestamentlichen Offenbarung Gottes vertraut: Der Kämmerer aus Äthiopien (sofern er kein Jude war) kannte und las das AT; Kornelius war ein »Gottesfürchtiger« (Apg 10,22), d.h. ein Heide, der an den Gott der Juden glaubte. Gleiches gilt für die Bekehrten in Antiochia in Pisidien (Apg 13,16.43), für Lydia, die erste europäische Christin (Apg 16,14) und die ersten Heidenchristen in Thessalonich (Apg 17,4) und Korinth (Apg 18,7). Ist es in einer Zeit, wo die Bibel immer mehr aus dem allgemeinen Bildungsgut verschwindet, nicht gerade eine »zeitgemäße« Art der Evangelisation, einen gründlichen, chronologischen Bibelunterricht anzubieten? 

Leider ist dies für die meisten Leute aufgrund der erforderlichen Menge und Länge unattraktiv. Gerade in unserer Zeit von Fastfood und Mikrowelle kommt Langwieriges nicht gut an. Gott hat sich jedoch mehrere tausend Jahre Zeit genommen, um sich zu offenbaren! In den letzten Jahrzehnten wurde aber in der Mission unter unerreichten Stämmen (insbesondere bei New Tribes Mission, NTM) hat sich die Methode des chronologischen Bibelunterrichts als sehr fruchtbar erwiesen. Der NTM-Pioniermissionar Stephen Lonetti schreibt:

»Als wir die Sprache und Kultur des Naturvolkes der Taliabo erforschten, hat uns die Verantwortung, ihnen das Evangelium mitzuteilen, sehr stark getroffen. Zum ersten Mal sollten Männer und Frauen des Taliabo-Stammes das Wort Gottes in ihrer eigenen Sprache hören. Wir wussten, dass wir das unbedingt in rechter Weise bewerkstelligen mussten. Aber wie sollte das stellvertretende Sühneopfer Jesu Christi für Menschen einen Sinn ergeben, die glauben, dass sie aus dem Schwitzwasser eines großen Felsen stammen? Wir machten uns Sorgen, dass die Taliabo die Botschaft der Bibel falsch verstehen und sie mit ihren eigenen Ãœberlieferungen vermischen könnten. Die Taliabo mussten zuerst grundlegende Wahrheiten verstehen, damit für sie das Evangelium überhaupt einen Sinn ergibt. Sie mussten lernen, dass der Gott der Bibel der souveräne Schöpfer und Gesetzgeber ist. Nur mit einem korrekten Verständnis der Wesensmerkmale Gottes würden sie eine biblische Sicht von der Sünde und der Verdorbenheit des Menschen haben. Die Wahrheit, dass Gott der liebevolle Urheber des Heils ist, wird nur für solche eine Bedeutung haben, die von ihren Sünden überführt sind. 

Wir planten, vorn beim 1. Buch Mose anzufangen und der Reihe nach die alttestamentliche Heilsgeschichte zu unterrichten. Das würde eine biblische Grundlage legen, um das Evangelium der Gnade Gottes richtig zu verstehen. Diese chronologische Vorgehensweise der Evangelisation vermittelt die Bibel fortschreitend in der Reihenfolge, wie sie aufgeschrieben ist. Jede neue Wahrheit baut auf einer vorherigen, zugrunde liegenden Wahrheit auf und zeigt, wie Gott im praktischen Leben handelt. Der erforderliche Zeitaufwand für diese feste Grundlage war die Mühe auf jeden Fall wert, da es verhalf, das Evangelium überhaupt zu verstehen. Innerhalb einiger weniger Monate des Lehrens kamen Hunderte von Taliabo zum rettenden Glauben an den Herrn Jesus Christus. Auch jetzt, zwei Jahrzehnte später, bleibt die Taliabo-Gemeinde fest und stark. Sie bringt die Frucht echter Errettung und verbreitet das Evangelium auch in den umliegenden Dörfern.

Als ich 1995 in die USA zurückkehrte, war ich erschüttert, wie stark die Bibelkenntnis in meinem eigenen Land abnimmt. Die Verweltlichung der Kultur und der moralische Niedergang hatten eine große Skepsis hervorgerufen, ob es Gott und Wahrheit überhaupt gibt. Die meisten scharfsinnigen Christen werden diese Sorge teilen. Doch trotz der offenkundigen und zunehmenden Unkenntnis der Bibel wird weiterhin dieselbe Art von Evangelisation angewendet. In ihrem Eifer, das Evangelium schnell »rüberzubringen«, betonen Evangelisten die Liebe Gottes einerseits und vernachlässigen andererseits seinen Besitzanspruch und seine Autorität über seine Geschöpfe. Dabei geht leider der Blick für die unbegreifliche Gnade Gottes und für den unschätzbaren Preis der Erlösung verloren, weil man blind für die eigene Sünde ist. Der Versuch, auf einer nicht mehr vorhandenen Grundlage zu bauen, führt zu klaffenden Kommunikationslücken. Es ist zwar allein Gott in seiner Macht und Souveränität, der das Werk der Errettung vollführt, aber das Wort von der Versöhnung (2Kor 5,19) und dessen Verkündigung hat er seiner Gemeinde anvertraut. Deshalb sind wir dafür verantwortlich, eine klare Botschaft zu vermitteln.

Wie können wir dieser Verantwortung gerecht werden? Der Ausgangspunkt dafür ist die Erkenntnis, dass wir in einer Zeit leben, wo das Evangelium gelehrt werden muss. Es reicht nicht, ein paar Verse aufzulisten und zu hoffen, dass die Leute das schon verstehen werden. Wir müssen zurückkehren zum völligen Vertrauen auf die Schrift, um das Herz für den Samen des Evangeliums vorzubereiten.«

Stephen Lonetti hat chronologisches Lehrmaterial erstellt und in dem Bibelkurs Roter Faden durch die Bibel veröffentlicht, der überschaubare 15 Lektionen auf rund 200 Buchseiten umfasst. Zehn Lektionen führen entlang der Meilensteine des Alten Testaments, fünf weitere Lektionen lehren über die Person, das Wirken und das Erlösungswerk Jesu Christi. Fokus sämtlicher Lektionen ist Gott, der alles regiert und lenkt, und seine Errettung aus Gnade durch das Opferblut Jesu, die sich wie ein »roter Faden« durch die ganze Bibel zieht. Die gesamten Lektionen lassen sich gut in einem überschaubaren Zeitrahmen, z.B. 15 Wochen durcharbeiten. Am besten lesen die Teilnehmer vorher die jeweilige Lektion und die dazugehörigen Bibelabschnitte zu Hause allein oder mit einem Helfer zusammen durch. Beim Bibelkurstreffen selbst kann dann der Kursleiter die Lektion nochmals vertiefen und die Fragen am Ende jeder Lektion durchsprechen. Wenn auf »Hausaufgaben« und persönliche Vorbereitung verzichtet werden soll, kann man beim Kurstreffen einfach gemeinsam die Bibelstellen zur Lektion lesen und der Kursleiter vermittelt in Form von (Kurz-) Referat und/oder Gruppengespräch den Inhalt der Lektion.

Ein anderer, noch ausführlicherer und intensiverer chronologischer Bibelkurs ist Auf festen Grund gebaut. Der Autor, Trevor McIllwain, ist ebenfalls Pionier-Missionar bei New Tribes Mission. Allein die rund 70-seitige Einleitung in dieses recht monumentale Werk verdeutlicht in aufrüttelnder Weise die Notwendigkeit chronologischen Bibelunterrichts; weitere 30 Seiten vermitteln die praktische Fähigkeit, einen solchen Kurs durchzuführen, z.B. den Umgang mit Fragen von Teilnehmern. Das in einem Din-A4-Ordner auf ca. 600 Seiten verfügbare Material umfasst 50 Lektionen von der Schöpfung bis zur Himmelfahrt Christi und ist als Handbuch für den Kursleiter konzipiert und nicht zur Aushändigung an die Teilnehmer gedacht, denn das würde diese in der Regel überfordern. Zusätzlich enthält der Ordner eine große, anschauliche Zeitleiste sowie Karten- und Bildmaterial für Präsentations- und Anschauungszwecke sowie das gesamte Material in elektronischer Form auf CD. Auf dieser CD ist auch ein Teilnehmerhandbuch enthalten.


2. Glaubensgrundkurse

Eine weitere Möglichkeit der Evangelisation durch Kurse sind thematisch geordnete Glaubensgrundkurse.

Ende der 70er Jahre wurde in der Fairhaven Bible Chapel in Kalifornien von Jean Gibson die Bibelkurs-Reihe »Training im Christentum« entwickelt und später vom Verlag Christliche Literatur-Verbreitung (CLV) auf Deutsch verlegt. Die Reihe umfasst fünf Kurse, wobei der erste Kurs (»Band 0«) evangelistisch ist und die Bände 1-4 Gläubige weiterführen. Ein kostenlos erhältliches Leiterheft gibt eine kurze Anleitung für die Durchführung. Die Kurse sind gezielt darauf ausgelegt, in Gruppen, Hauskreisen oder auch zu zweit (ein »Lehrer«, ein »Schüler«) durchgeführt zu werden. Der evangelistische Kurs »0« umfasst 13 Lektionen, die jeweils aus einem Lehr- und einem Fragenteil bestehen. Die Fragen sollen von den Teilnehmern vor dem Treffen als Hausaufgaben selbständig beantwortet werden. Die Antworten ergeben sich entweder direkt oder indirekt aus der Lektüre des Lehrteils bzw. aus dem Nachschlagen der angegebenen Bibelstellen, oder es müssen eigene Anschauungen oder Denkergebnisse als Antworten aufgeschrieben werden. Die Fragen werden dann beim Treffen der Gruppe in einer Diskussionsrunde besprochen.

Ein Kurstreffen sollte einen etwa 30-minütigen Lehrvortrag und anschließend die besagte Diskussionsrunde beinhalten. Selbstverständlich lässt sich ein solches Treffen genau wie beim Alpha-Kurs mit einem gemeinsamen Abendessen oder sonstigen Unternehmungen verbinden. Benötig werden für die Durchführung eines solchen Kurses qualifizierte Mitarbeiter, die folgende Aufgaben haben:

Der Arbeitsaufwand der Mitarbeiter ist folglich so intensiv, dass für maximal drei Teilnehmer ein Mitarbeiter verfügbar sein sollte, also beispielsweise bei acht Teilnehmern drei oder vier Mitarbeiter gebraucht werden. Auch wenn die Mitarbeiter qualifiziert sein müssen, heißt das nicht, dass sie eine theologische Ausbildung brauchen. Der große Vorteil an diesem Kurskonzept ist nämlich, dass neue Mitarbeiter im Verlauf der fünf Kursreihen herangebildet werden; aus Teilnehmern werden nach dem biblischen Jüngerschafts- und Multiplikationsprinzip geschulte Mitarbeiter. Die Folgekurse der Bände 1-4 beinhalten ausgiebige Lektionen über Evangelisation. Außerdem sollte es pro Kurstreffen auch eine Mitarbeiterbesprechung geben. Dadurch werden weniger reife Mitarbeiter gefördert, ihre geistlichen und seelsorgerlichen Sinne werden geschärft und die Beziehung unter den Mitarbeitern wächst.

Systematisch ist an diesem Kurs jedoch nicht nur das Lektionen- und Mitarbeiterkonzept. Auch der inhaltliche Aufbau führt der Reihe nach von den Grundlagen hin zum neuen Leben in Christus. Die Liste der Lektionen vermittelt uns einen Eindruck, welche Themen (im Vergleich zum Alphakurs) wirklich bei einem evangelistischen Kurs behandelt werden sollten (Stichwort jeweils kursiv).

  1. Dein Wort ist Wahrheit (die Bibel)
  2. Die Person Gottes
  3. Das Wesen Gottes
  4. Was ist der Mensch?
  5. Das Problem der Sünde
  6. Ãœber die Ewigkeit (Himmel und Hölle)
  7. Jesus, der Messias: Gottes Erlösungsplan (vom AT bis zum NT)
  8. Das Kreuz Jesu
  9. Die neue Geburt
  10. Errettung aus Gnade
  11. Vom Glauben an Jesus Christus
  12. Heilsgewissheit
  13. Das neue Leben

Kann man in der Evangelisation irgendeines dieser essentiellen Themen auslassen? In Lektion 1 wird mit der Autorität der Bibel eine Grundlage gelegt, dann geht es in Lektion 2-3 um Gottes Person und Wesen und in 4-6 um den Menschen, sein Problem und sein ewiges Schicksal. Damit ist das große Problem aufgezeigt und erklärt: Ein heiliger Gott, ein sündiger Mensch und die gerechte Konsequenz: die ewige Hölle als Lohn der Sünde. Dann folgt die Lösung mit dem im AT verheißenen Messias und seinem Kommen in Jesus Christus. Das entspricht genau dem Vorgehen der Bibel: Zuerst Gott (1. Mose 1-2), dann der Mensch, sein Versagen und Schicksal (1. Mose 3), dann die Verheißung Gottes der Erlösung (1. Mose 3 bis zum Ende des AT). Dann folgen die rettende Botschaft vom Kreuz und die Notwendigkeit der Neugeburt. Anschließend werden die elementaren Wahrheiten von Gnade und Glaube erklärt. An diesem Punkt ist das Evangelium in der Regel ausführlich genug erklärt, und die zwei abschließenden Lektionen sind Hilfen für Neubekehrte bzw. Perspektiven für Noch-nicht-Bekehrte.

Der Alpha-Kurs erhebt den Anspruch, sich an entkirchlichte Menschen zu richten. Doch erstaunt es, mit wie wenig inhaltlicher Substanz der Alpha-Kurs eine solche Zielgruppe erreichen will. Wenn man Kirchenfernen klar machen will, wie groß Gott ist, wie schlimm Sünde ist, warum die Hölle gerecht ist, was Gnade, Heiligkeit, Liebe, Glauben und viele andere zentrale biblische Begriffe bedeuten, ist sicher viel mehr Aufwand nötig, als es der Alpha-Kurs in seinen drei oberflächlichen »evangelistischen« Lektionen leistet. Kirchenferne evangelisiert man nicht, indem man biblische Begriffe meidet, sondern indem man diese Begriffe gründlich und mühevoll erklärt. Der Alpha-Kurs kann seinen Anspruch einfach genauso wenig erfüllen, wie ein Mofa dazu geeignet ist, um zum Mond zu fliegen.

Ein weiterer, aber kompakterer Glaubensgrundkurs ist Grundlagen des Glaubens von John MacArthur (Betanien Verlag, 2006), der 13 Lektionen auf 90 Din-A4-Seiten umfasst. Die ersten sechs Kapitel bieten eine evangelistische Grundlage und behandeln die Bibel, das Wesen Gottes, die Person und das Werk Jesu Christi und die Errettung. Die weiteren Kapitel über Themen wie Gebet, Gemeinde, Gehorsam sind eher katechetisch, d.h. dienen der grundlegenden Belehrung von Jungbekehrten. Daher kann man diesen Kurs auch sehr gut mit einer gemischten Gruppe von Menschen durchführen, bei denen man sich nicht sicher ist, wo sie geistlich stehen, z.B. Jugendliche aus christlichen Elternhäusern oder an der Bibel Interessierten bzw. »Grauzonen-Christen«, denen eine gründliche Kenntnis des Evangeliums und biblischer Wahrheiten fehlt.

Ein sehr knapp gehaltener Einführungskurs ist Aufbruch in ein neues Leben von Peter Güthler, einem Schüler von Jean Gibson (Chr. Verlagsgesllschaft Dillenburg, 2005). Auf 20 Din-A5-Seiten werden die Themen Bibel, Gott, Mensch, Jesus und Errettung behandelt. Wer umfangreiches Kursmaterial vermeiden möchte, kann auf dieses Heft als Leitfaden zurückgreifen, sollte dann aber bei den einzelnen Treffen die jeweiligen Themen noch weiter vertiefen. Zu dem Video-gestützten Konzept des Alpha-Kurses wurde mittlerweile auch eine bibeltreue Alternative entwickelt. Der Kurs Vertikal (CLV 2007) wurde vom Christoph Hochmuth vom »Trainingsprogramm für Mitarbeiter im Gemeindebau« (TMG Salzburg) in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern des Jugend-Missionswerks »Nightlight Station« und von der Christlichen Literatur-Verbreitung entwickelt. Andreas Lindner vom TMG schreibt:

Christoph Hochmuth hat den Inhalt des Evangeliums so aufbereitet, dass Fernstehende es verstehen können und motiviert werden, Kurs auf Gott zu nehmen. Dieser Kurs kann von jedem Christen verwendet werden, der seine ungläubigen Verwandten und Bekannten über den Herrn informieren will. Auch wenn man wenig Erfahrung im Leiten von evangelistischen Kreisen hat, genügen die Anleitungen im Begleitheft. Hier erfährt der Gastgeber, wie man den Abend vorbereiten und gestalten kann, wie eine angenehme Atmosphäre entsteht und wie man das Gespräch über die Themen anregt und leitet. Dabei profitiert man von der jahrelangen Erfahrung Christoph Hochmuths beim Leiten solcher Kreise. Auf einer der beiden DVDs findet man Film-Vorträge über 10 Themen wie: »Sehnsucht - Gott will uns erfüllen« »Vorstellung - Gott zeigt sich uns« »Klimawandel - Gott fehlt uns« usw. Jeder Videoclip dauert 20 Minuten. Man begleitet den Moderator durch Natur, Alltag und Freizeit, wobei das Evangelium erklärt und illustriert wird. Er geht dabei langsam genug vor, dass man mitkommt, ohne dass die Spannung darunter leidet. Nach einem Einführungsabend kann man sich regelmäßig mit den Bekannten treffen und jeweils einen Vortrag ansehen. Dann benutzt man die Fragen im Kursheft, und schon entsteht eine lebhafte Diskussion, die das Thema vertieft und den Teilnehmern hilft, das Gehörte zu durchdenken. Zu jedem Vortrag gibt es einige passende Zeugnisse auf einer DVD, von denen man am Ende der Diskussion noch eines zeigen kann. Jeder Besucher erhält ein Kursheft, worin die einzelnen Themen zusammengefasst sind. So kann er sich daheim noch damit beschäftigen oder ein Thema nachholen, wenn er einen Abend in der Gruppe verpasst hat.  Zu einem Set gehören zwei DVDs mit Einführung, 10 Vorträge, 21 Lebensberichte, ein Begleitheft (für Kursleiter) und 5 Kurshefte zum Mitschreiben (für jeden Teilnehmer). Als wir »vertikal« das erste Mal durchführten, waren 23 Gäste im Wohnzimmer. Davon war ein Großteil zum ersten Mal bei einem Bibelkreis, außerdem waren ein paar Jungbekehrte anwesend, die ihre Freunde mitgebracht hatten und meine Mitarbeiter. Jeder erhielt das Kursheft. Jedem meiner Mitarbeiter gab ich das Begleitheft, denn wir werden uns beim Leiten der Abende abwechseln (Zusatzhefte kann man nachbestellen). Nachdem die 10 Themen der DVD behandelt sind, kann man mit der Gruppe zehn weitere Bibelabende halten. Die Bibelarbeiten sind mit Fragen ergänzt, die man der Gruppe stellen kann. Die Teilnehmer werden auf diese Weise im Gespräch geführt und können den Inhalt des Bibeltextes selbst entdecken und erfassen. Die Texte der Bibelarbeiten sind evangelistisch und befinden sich im Begleitheft.  In der Vorbereitung der einzelnen Themen wird der Kursleiter großen Gewinn aus dem Buch »Senkrechtstart« von Christoph Hochmuth ziehen. Darin findet er auch die in »vertikal« behandelten Themen, mit zusätzlichen Fragen zum Bibeltext. »Senkrechtstart« ist ein evangelistisches Buch, das auch an die Kursteilnehmer verteilt werden kann. Durch den sehr günstigen Preis (14,90 Euro) kann sich jeder den Kurs leisten, ich konnte sogar manchen ein Set DVDs mitgeben. Andere vergleichbare Materialien kosten das Zehnfache. Die Effektivität des Kurses würde sicher noch gesteigert, wenn man Seminare für Kursleiter anbieten könnte. 

Ich lese gerade ein Buch mit dem Titel »Die Christianisierung Europas im Mittelalter«. Seit der Reformation ist das Evangelium wieder viel deutlicher als im Mittelalter in der Christenheit präsent; seit der Einführung von Buchdruck und Massenmedien stehen Bibeln und Materialien ausreichend zur Verfügung nun müssen wir nur noch die vorhandenen Ressourcen nutzen, damit das weitgehend entchristlichte Europa neu evangelisiert wird. Fangen wir in unserem eigenen Wirkungskreis damit an!


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